Der erste moderne Medienkrieg

Anton Holzer

Die andere Front

Fotografie und Propaganda im Ersten Weltkrieg


Sonderausgabe 2012 (3.,unveränd. Aufl.)., 368 S. mit ca. 520 Abb., geb.
Format 21,0 x 27,0 cm
ISBN 978-3-86312-032-0

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Ausgezeichnet mit dem Deutschen Fotobuchpreis 2008

 

Anhand von über 500 spektakulären und großteils unveröffentlichten Kriegsfotografien aus dem Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek rückt dieser Band erstmals den Krieg im Osten und Südosten Europas ins Blickfeld. Der Fotohistoriker Anton Holzer zeichnet damit ein neues, bisher kaum bekanntes Bild des Ersten Weltkrieges.

Die Aufnahmen der k.u.k. Kriegspropaganda sind in Form von Originalglasplatten erhalten. Sie sollten ein geschöntes Bild des Krieges vermitteln. Aber bei genauerer Betrachtung berichten sie auch vom harten Alltag der Soldaten in der Fremde, von der ungeheuren Gewalt der Zerstörungen, den unzähligen Toten und Verletzten und den endlosen Zügen von Kriegsgefangenen, Flüchtlingen und Vertriebenen.

Das Buch wirft einen Blick hinter die Kulissen des ersten modernen Medienkrieges der Geschichte. Es schildert ebenso den Alltag und die Arbeitsbedingungen der Kriegsfotografen wie auch die immer subtiler werdenden Methoden der Bildpropaganda. Der Autor zeigt, wie der Krieg die Fotografie verändert und wie umgekehrt, die Fotografie den Krieg verändert hat. Militärs und Medienvertreter haben ihre Lektionen schnell gelernt. Seit dem Ersten Weltkrieg gehört die propagandistisch verwendete Fotografie ins Waffenarsenal eines jeden modernen Krieges.

 

 

 





Zum Autor:
Anton Holzer, geb. 1964, Dr. phil., ist Herausgeber der Zeitschrift »Fotogeschichte«, Fotohistoriker, Publizist und Ausstellungskurator. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Fotografie- und Kulturgeschichte.

 


Hier finden Sie die Einleitung als pdf-Datei:

Der unbekannte Krieg

"...Auf diese Weise ist ein eindrucksvolles Geschichtsbuch entstanden, in dem mit Fotografien und deren Interpretation ein nahezu vergessener Krieg veranschaulicht und die ihn umgebende Welt östlicher Kulturen wiederbelebt wird..."
Bernd Ulrich in "Literaturen"

"...In seiner dichten Beschreibung der abgebildeten Hinrichtungsszenen zeigt sich Anton Holzer als sprachlich gewandter Meister psychologischer Deutungen...
...Anton Holzers Buch ist ein ungemein faszinierendes Werk: Es bietet eine eingehende fotohistorische Untersuchung von Herkunft und Überlieferungsgeschichte der gezeigten Bilder, eine umfassende Bibliografie zum Thema, aber auch eine tiefgehende, fundierte Analyse des Kriegsgeschehens. Es erzählt von Grausamkeiten an der Zivilbevölkerung in den eroberten Gebieten und von der Inszenierung der Kriegsgefangenen - von denen viele an den Folgen von Zwangsarbeit, Unterernährung und schlechter Behandlung starben - als fremdartige, ärmliche 'Vertreter einer anderen, niedrigeren Kultur'. Fotografie im Krieg, das lehrt uns dieses Buch, folgt stets einer grauenvollen Strategie der Verhöhnung, der Erniedrigung. Eine Strategie, der Fotografen - von der Isonzo-Front bis zu den 2004 veröffentlichten Fotografien von Abu Ghraib - auf erschreckende Weise treu geblieben sind..."
NZZ am Sonntag

"...Schützengräben, Stellungskrieg, Somme-Schlacht, Verdun und Lagemarck, Giftgas und Rübenwinter haben das Bild des Ersten Weltkriegs bis heute geprägt (...) Zu keinem geschichtlichen Ereignis wurde mehr publiziert. Umso merkwürdiger mutet es an, dass, (...) das Bild vom Krieg, wie er im Osten geführt wurde, völlig unterbelichtet ist (...) In seinem grundlegenden Werk über die 'andere Front' macht der österreichische Fotografiehistoriker Anton Holzer sichtbar, was durch diese 'Westverschiebung der visuellen Erinnerung' vollkommen aus dem Blick und dem Gedächtnis verschwunden ist. Holzers intensive Forschungen im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek erschließen eine ganze Welt: 33000 Originalglasplatten sowie die dazugehörigen Abzüge, Bilder aus sämtlichen Kriegsgebieten der k.u.k. Monarchie: von der Türkei über Bulgarien, Montenegro bis Russland. Es sind jene Länder, deren Grenzen und staatliche Verfasstheit sich im Kriegsverlauf und nach Kriegsende am stärksten veränderten. Diese Fotos dokumentieren also, so Holzer, eine historische Bruchstelle, aus der ein anderes Europa hervorgehen sollte, ein Europa, das dann mit dem Zweiten Weltkrieg sich selbst zugrunde richtete. Diesem ungeheuren historischen Umschlag ist Anton Holzer in seinen ebenso genauen wie brillianten ikonographischen Interpretationen und der Rekonstruktion der organisierten Bildpropaganda auf der Spur. Es gelingt ihm damit weit mehr als die visuelle Wiederentdeckung der 'anderen Front', deren Verdienst an sich schon groß genug ist...
...Anton Holzer ist in seiner gesamten Argumentation und Recherche so umsichtig, dass dem Leser Überraschungen wie bei der ersten Hamburger Ausstellung zu den Verbrechen der Wehrmacht erspart bleiben. Die visuelle Konstruktion des Feindes hat seitdem an Virulenz nichts verloren (...) Die große Revolution im Bild des Krieges fand, wie Anton Holzer in seinem bedeutenden, Standards setzenden Werk zeigt, bereits im Ersten Weltkrieg statt..."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

"...Schon an dieser Stelle kann vorausgeschickt werden, dass die inhaltliche wie lichtbildkünstlerische Qualität der Bilder hervorragend, die Reproduktion im Buch sehr gut und die fotografiegeschichtlich relevanten Angaben zu den Fotografen, zur Technik oder zur Provenienz mustergültig sind...
...Holzer zeigt, wie man den längst über Gebühr beschworenen Iconic Turn in der Geschichtswissenschaft in einem handwerklich sauber gemachten und inhaltlich anregenden Buch umsetzt. "Die andere Front" ist deshalb unbedingt zu empfehlen, eine preiswertere Studienausgabe dürfte der Rezeption unter Studierenden sehr förderlich sein..."
Zeitschrift für Geschichtswissenschaft

"Kaum etwas entlarvt die Künstlichkeit des vermeintlich wahrheitsgetreuen Mediums Fotografie so deutlich wie Bilder von der Anfertigung von Propagandabildern.
Um diese Produktion der Bilder geht es Anton Holzer in seinem leseswerten Buch über die Fotosammlung des Kriegspressequartiers, der Propagandaabteilung des österreichisch-ungarischen Heeres (...)
Eindrucksvoll sind nicht nur Holzers Recherchen zu den gestellten Aufnahmen grimmiger Krieger und den Ablichtungen angeblicher Gefechtsszenen, die in Wirklichkeit auf Truppenübungsplätzen entstanden. Auch über den propagandistischen Umgang mit nichtmilitärischen Sujets lernt der Leser etwas."
Neue Zürcher Zeitung

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