Gescheiterte Helden, unglückliche Jungfrauen und zankende Götter

Philip Matyszak

Von zänkischen Göttern und tragischen Helden

Klassische Mythologie für Anfänger

Aus dem Englischen von Jörg Fündling

2012, 232 S. mit ca. 95 s/w-Abb., geb.
Format 13,5 x 21,5 cm
ISBN 978-3-86312-021-4

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Ob der Online-Händler ›Amazon‹ oder die Sportmarke ›Nike‹  – in unserem Alltag begegnen uns ständig Spuren der griechisch-römischen Mythologie. Doch wo liegt ihr Ursprung und um welche Geschichte geht es eigentlich genau?
Philip Matyszak bringt dem Leser auf höchst unterhaltsame Weise die klassischen Mythen der Antike nahe. Er erzählt von den Abenteuern und Beziehungen der Götter, Halbgötter und Helden, denn das ist es, was die Mythen bis heute so lebendig macht: Es sind gewaltige Erzählungen, in denen es immer auch gewaltig ›menschelt‹ – nicht umsonst greift die Psychologie gern auf das mythologische Repertoire zurück, wenn sie menschliche Beziehungen und Verstrickungen verstehen will, z. B. im Ödipus-Komplex. So erklärt der Band nicht nur die klassischen Mythen und wie die Griechen und Römer die Welt verstanden, sondern bietet auch originelle Einsichten in unsere gegenwärtige Gesellschaft.

 

- Kurzweilige Lektüre: der perfekte Einstieg in die klassischen Mythen
- Ordnung im Chaos der Protagonisten: mit Steckbriefen und Stammbäumen
- Moderne Echos: Wo uns die Mythologie heute noch begegnet





Zum Autor:
Philip Matyszak, Jg. 1958, hat am St. John’s College, Oxford in alter Geschichte promoviert. Er unterrichtet am Madingley Hall Institute of Continuing Education (Cambridge University) und publiziert als freier Autor.

Die Schatten der Toten

 

König Minos (der Sohn Europas) war zu Lebzeiten als Gesetzgeber berühmt, und in der Unterwelt war er der Richter der Toten. Überwiegend entschied er Streitigkeiten zwischen Toten, aber manche meinen, dass er auch ein Wort bei der groben Sortierung mitzureden hatte, die nach der Ankunft neuer Seelen stattfand. Denn nicht alle betraten die Hallen des Hades. Manche gingen den Weg zu den Inseln der Seligen oder den Feldern des Elysiums. Diese Bestimmungsorte waren jenen Seelen vorbehalten, die sich in ihrem Leben so hervorragend und edel benommen hatten, dass sie der Welt der Sterblichen vollständig entrückt wurden. Abgesehen von der Einladung, sich zu den Göttern höchstpersönlich zu gesellen, war dieses Los das beste, das sich ein Sterblicher erhoffen konnte.

Andererseits gab es da diejenigen, die sich als untauglich erwiesen hatten, überhaupt zur Gattung Mensch zu gehören. Die Menschenseele ist ebenso unzerstörbar wie die eines Gottes, also stand es nicht zur Debatte, diese gescheiterten Existenzen zu vernichten. Statt dessen kamen sie in den kosmischen Abfalleimer, den Tartaros. Dort leisteten sie den eingekerkerten Giganten, Titanen und anderen Gesellschaft, die man für unwürdig befunden hatte, je wieder ihren Fuß auf Mutter Gaia zu setzen.

Die überwältigende Mehrheit der Menschheit endete in der Unterwelt, als Schatten. Ein Schatten war im Grunde dieselbe Person wie der Tote, das aber in stark abgeschwächter Form. Er erinnerte sich – sogar mit heißer Sehnsucht – an die intensiven Empfindungen und Leidenschaften des Erdenlebens. Mit den richtigen Riten konnte man einen Schatten aus dem Totenreich heraufbeschwören, damit er mit den Lebenden Kontakt aufnahm. So suchte Odysseus einmal Rat bei den Toten, indem er sie mit dem Blut von Opfertieren nährte, das er in eine kleine Grube im Boden strömen ließ.

 

Wieviel Zeit man in der Unterwelt zubrachte, war unterschiedlich – manche Philosophen hielten tausend Jahre für ein angemessenes Intervall, um die Seele von den Schlacken menschlicher Leidenschaft und irdischer Gelüste zu reinigen, die sie im Körper angesammelt hatte. Viel hing dabei von der Art des Lebens ab, das der Mensch geführt hatte.

Eine verkommene Person brauchte sehr lange Zeit, ehe die Verunreinigungen des Lebens aus seiner Seele gesickert waren, während ein Asket sich, spirituell gesprochen, sozusagen nur einmal kurz durchs Gesicht waschen und kämmen musste. Für alle jedoch war die im Totenreich verbrachte Zeitspanne viel länger als die im Fleisch verlebte, also sollte man das Reich des Hades als das eigentliche Zuhause der Menschheit betrachten, nicht die Oberwelt.

 

 

Der Rückweg

 

Zur Linken des Hauses von Hades sollst du eine Quelle finden (… und wenn du dorthin kommst,) sollst du ihnen sagen: „Ich bin ein Kind der Erde und des gestirnten Himmels, aber mein Ursprung liegt im Himmel. (…) Rasch, lasst mich vom kühl fließenden Wasser der Erinnerung trinken …“

Inschrift eines Goldtäfelchens aus einem Grab im italischen Petelia

 

Früher oder später fühlte sich jede Seele zum anderen Ende der Unterwelt gezogen, wo die Wasser des Flüsschens Lethe über die Steine rieselten und Nyx selbst ihre Behausung hatte.

Hier stellte sich Platon eine Art Showbühne vor, wo unter der Leitung einer Sphinx die Geister ihre künftige Rolle im Leben zugewiesen bekamen. Dabei spielte ein Zufallselement mit, und dieses Lotterieaspekts wegen sprechen wir vom „Los“, das uns im Leben zuteil wird. Nicht jedes Los eignete sich für jeden. Manche wenig anspruchsvolle Rollen waren für Seelen gefragt, die erst kürzlich aus dem Tierreich aufgestiegen waren (wir alle haben schon mindestens eine davon getroffen), während andere nach einer Proberunde im Menschenleben vielleicht auf eine ländlich-beschauliche Auszeit versessen waren – beispielsweise als Kuh, die friedlich auf der Weide grast.

Wer neu im Geschäft war, stellte sich vor, er könnte das Glück als König oder Tyrann finden, während andere ein kurzes Leben wählten, randvoll mit Glück und Schmerz und seelischer Erfüllung. Platon erzählt uns, dass Odysseus, dessen Bedarf an Abenteuern in der Welt mittlerweile gedeckt war, nach einem Los suchte, das ihm das ereignislose Leben eines einfachen Mannes versprach.

Jetzt tranken alle aus dem Lethefluss. Augenblicklich verloren sie die Erinnerung an ihr früheres Leben. Nun waren sie wieder reiner Geist, geläutert von den Leidenschaften und Untaten ihres Vorlebens, mit ausgelöschter Vergangenheit, aber Persönlichkeiten, die ihre vergangenen Erfahrungen geläutert hatten. Dann legten sich die Geister schlafen. Erwachen würden sie in den von ihnen gewählten Kinderkörpern, und so begann das Abenteuer von vorn.

Manche Griechen lehrten, man könnte, indem man Lethe vermied und aus dem nahen Bach Mnemosyne (Erinnerung) trank, mit einer vollständigen Erinnerung an sein früheres Leben die Unterwelt verlassen.

 

 

 

»... die erste wirklich schlüssige Betrachtung über den Aufstieg des griechischen und römischen Pantheons, die mir begegnet ist. … Was für ein Vergnügen.«
Glenn Dallas, San Francisco Book Review

»… ein praktisches Nachschlagewerk, eine unterhaltsame Lektüre und ein attraktives Buch, passend illustriert und geschmackvoll gestaltet, kurz: ein Lesevergnügen.«
The Scotsman

"Philip Matyszak schafft es mit lockerem Schreibstil den angestaubten Geschichten neuen Glanz zu verleihen..."
www.aus-erlesen.de

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