Klug geschrieben und opulent bebildert – das Wagner-Buch zum Jubiläum!

Barry Millington

Der Magier von Bayreuth

Richard Wagner – sein Werk und seine Welt

Aus dem Englischen von Michael Haupt

2012, 320 S. mit ca. 300 farb. und s/w-Abb., geb. mit Schutzumschlag
Format 16,5 x 24,0 cm
ISBN 978-3-86312-029-0

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Pünktlich zum Jubiläumsjahr 2013 erscheint dieses einzigartige Werk über Richard Wagner. Barry Millington eröffnet einen neuen Zugang zu Leben und Nachleben, Werk und Inszenierung einer der einflussreichsten und umstrittensten Persönlichkeiten der Musikgeschichte. Wie die Steine in einem Mosaik fügen sich dabei die kurzen Kapitel im abwechslungsreichen Zusammenspiel von Text und Bild zu einem facettenreichen Gesamtbild. Dabei wirft Millington auch Schlaglichter auf die Personen, zu denen Wagner in Beziehung stand, die ihn beeinflussten und die er umgekehrt beeinflusste, beispielsweise Franz Liszt oder auch König Ludwig II. Breiten Raum nimmt die Rezeptionsgeschichte ein.
Ausführlich geht Millington auf die 13 Opern ein, die das Herzstück von Wagners Werk darstellen. Und gerade hier kommt die Bildstärke des Buches zum Tragen: Historische Abbildungen und Fotos zeigen Inszenierungen und Bühnenbilder bis in unsere Gegenwart hinein.



Zum Autor:
Barry Millington ist Chef-Musikkritiker beim Londoner Evening Standard und Herausgeber des Wagner Journal. Als Autor und Herausgeber hat er bereits sieben Bücher über Wagner veröffentlicht. Außerdem fungierte er als Berater bei verschiedenen internationalen Musikfestivals.
Zwischen Muse und Mutterfigur: Die Frauen in Wagners Leben

All mein Weibsen geht jetzt an mir vorüber.
Wagner, zwei Tage vor seinem Tod

Aus den vielen klischeeverhafteten Darstellungen des Themas ließe sich kaum ablesen, dass für einen romantischen Künstler des 19. Jahrhunderts Wagners sexueller Appetit nicht übertrieben zu nennen ist. Die Gesamtzahl seiner Affären übersteigt kaum ein Dutzend, und doch steht Wagner weiterhin im Ruf eines skrupellosen Frauenver- und -entführers, der in Herzensangelegenheit einfach unfähig war, das sittlich Richtige zu tun. Zweifellos ist dieses Bild eine groteske Verzerrung.

Immerhin kann die Anklage zwei ,Beweisstücke‘ vorlegen. Da ist zum einen Mathilde Wesendonck, die Frau von Wagners Wohltäter Otto Wesendonck. Und da ist zum anderen Cosima v. Bülow, die Frau von Wagners treuem Freund, dem Dirigenten von Tristan und Isolde. Im ersten Fall lautet die abgedroschene Version des Szenarios etwa so: „Opportunistischer, manipulativer Komponist zockt großzügigen Sponsor ab und raubt ihm dazu noch die Frau.“ Diese Lesart hat noch nie überzeugt. Vielmehr werfen neuere Forschungen des südafrikanischen Gelehrten Chris Walton ein ganz anderes Licht auf die Dreiecksbeziehung.  Insbesondere könnte Otto Wesendoncks finanzielle Unterstützung nicht ganz uneigennützig gewesen sein. Ohne Frage konnte er aus der Bekanntschaft mit dem damals führenden deutschen Komponisten sozial wie finanziell nur Gewinn ziehen; die Darlehen an Wagner gewährte er mit dem Kalkül des Kaufmanns. Otto hatte zudem eine Neigung zu inzestuösen Identifikationen, was ihn zu Wagners Werken hingezogen haben mag. So war Mathilde nicht der tatsächliche Vorname seiner Frau, sondern der seiner verstorbenen ersten Frau, den „Mathilde“ übernehmen musste, und es war der Vorname einer älteren Schwester, die für Otto eine Art Mutterersatz war.

Ebenso wenig stimmig sind die Mathilde betreffenden Klischees. Sie war keineswegs ein passives Sexobjekt, sondern verstand es, die Männer zu manipulieren, um ihren Willen durchzusetzen. In Zürich managte sie die Ménage à quatre mit fester Hand – Wagner und Minna wohnten gleich neben den Wesendoncks, und Mathilde besuchte Wagner während der Komposition von Tristan und Isolde regelmäßig in seinem Arbeitszimmer – und erlaubte (soweit wir wissen) Wagner nur so viel Freizügigkeit, wie es für ihren Gatten akzeptabel war. Zudem war sie eine echte Muse. Sie schrieb die fünf Gedichte der von Wagner komponierten „Wesendonck-Lieder“ – ein einmaliger Vorgang in seinem Œuvre, dem er kaum zugestimmt hätte, wenn die Texte nicht von angemessener Qualität gewesen wären.
Alle Zeugnisse deuten darauf hin, dass Wagners „Liebesaffäre“ mit Mathilde – falls es überhaupt eine war – unerfüllt blieb. Dafür spricht auch die Tatsache, dass Wagners Leidenschaft für Mathilde eine Art emotionale Matrix für die in Tristan und Isolde aufschäumenden libidinalen Wünsche bildete – es geht dort um unstillbare Sehnsucht und unerfülltes Begehren (vgl. Kap. 17). Wagners Darstellung der Affäre (in einem Brief an seine Schwester, Clara Wolfram) wird einigen als selbstgerecht und heuchlerisch, anderen dagegen vielleicht als wahr erscheinen:

„Was mich seit sechs Jahren erhalten, getröstet, und namentlich auch gestärkt hat, an Minnas Seite, trotz der enormen Differenzen unsres Karakters und Wesens, auszuhalten, ist die Liebe jener jungen Frau [Mathilde Wesendonck], die mir anfangs und lange zagend, zweifelnd, zögernd und schüchtern, dann aber immer bestimmter und sichrer sich näherte. Da zwischen uns nie von einer Vereinigung die Rede sein konnte, gewann unsere tiefe Neigung den traurig-wehmüthigen Charakter, der alles Gemeine und Niedre fern hält, und nur in dem Wohlergehen des Andren den Quell der Freude erkennt. Sie hat seit der Zeit unsrer ersten Bekanntschaft die unermüdlichste und feinfühlendste Sorge für mich getragen, und Alles, was mir mein Leben erleichtern konnte, auf die muthigste Weise ihrem Manne abgewonnen. Dieser konnte der offenen Unumwundenheit seiner Frau gegenüber nicht anders als bald in wachsende Eifersucht verfallen. Ihre Grösse bestand nun darin, dass sie stets ihren Mann von ihrem Herzen unterrichtet hielt, und ihn allmählich bis zur vollsten Resignation auf sie bestimmte.“
 
Des Weiteren sagt Wagner, dass Otto, ungeachtet seiner Eifersucht, sich den Launen seiner Frau fügen musste: Ihre Waffe waren die Kinder. Da er nicht Frau und Kinder verlieren wollte, fügte er sich in den Verzicht. Wagners eigene Ehe war schon längst zerbrochen, aber nicht aufgrund von Untreue, sondern weil er und Minna nicht wirklich zueinander passten. Die romantische Liebe, die zur Heirat führte, hatte auf körperlicher Anziehung beruht, und schon sehr früh waren in der Beziehung Risse aufgetreten (vgl. Kap. 3). In den folgenden Jahren wurde offenkundig, dass es Minna an Temperament und Bildung fehlte, um den außergewöhnlich hohen Anforderungen eines Mannes, der sich für anbetungswürdig hielt, zu entsprechen.

Für diese Rolle sehr viel besser geeignet war Cosima v. Bülow. Hier lautet das Klischee, dass Wagner seinem Protégé die Frau stahl und so die eigenen emotionalen und körperlichen Bedürfnisse rücksichtslos in den Vordergrund stellte. Aber damit unterschlägt man die Naturgewalt, die Cosima war, und die vorhersehbare Katastrophe ihrer Ehe mit Bülow. Trotz ihres lebhaften, lebenslangen Schuldbewusstseins hatte Cosima einen unbeugsamen Eigenwillen (vgl. Kap. 21). Dass es ein gravierender Fehler war, Bülow zu heiraten, wurde ihr bald so klar, wie es ihrem Vater Franz Liszt bereits vor der Hochzeit gewesen war (Bülow fehle die Begabung zum Ehemann, meinte er). Er war jähzornig und gewalttätig, litt immer wieder unter schweren Nervenschmerzen und depressiven Anfällen. Dann konnte er scharfzüngig und verletzend sein und alle um ihn herum mit sarkastischen Bemerkungen demütigen. Er war ein Tyrann, der lange schon alle Impulse von Zärtlichkeit und Zuneigung in sich begraben hatte. Insbesondere war er ein absolut unsensibler Ehemann und Vater. Cosimas Trauer um den Tod ihres Bruders Daniel nahm er kaum zur Kenntnis. Ebenso wenig rührten ihn die Schmerzen, die Cosima bei der Geburt der zweiten Tochter, Blandine, zu erleiden hatte, während er sich in einem anderen Teil des Hauses beschäftigte.

Cosimas Leidensbereitschaft (die angeblich ihrer katholischen Erziehung geschuldet war) hätte wohl noch weitaus länger dauern können, wäre sie nicht dem Mann begegnet, für dessen Glück zu sorgen ihr, wie sie glaubte, vom Schicksal bestimmt war. Sehr schnell begriffen alle betroffenen Parteien – auch Bülow selbst –, dass Cosima zu Wagner gehörte. Es war also kein „Frauendiebstahl“, sondern die vernünftige Neuordnung einer anomalen Situation.

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