Wie Pflanzensamen unsere Welt formten

Peter Thompson

Der Keim unserer Zivilisation

Vom ersten Ackerbau bis zur Gentechnik

Aus dem Englischen von Manfred Roth

2012, 312 S. mit ca. 43 farb. und 6 s/w Abb., Reg., geb. mit Schutzumschlag
Format 14,5 x 22,0 cm
ISBN 978-3-86312-331-4

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Pflanzensamen sind meist kleine und unscheinbare Gebilde, die unseren Blicken verborgen sind – nichts als winzige Körnchen. Und doch haben sie unsere Entwicklung und die unserer Gesellschaft bestimmt. Denn nicht nur die wichtigsten Nahrungsmittel sind Samen – man denke nur an Reis, Weizen, Kaffee, Nüsse, Bohnen oder Oliven. Sie sind auch die Basis für Stoffe, Farben und viele andere Dinge unseres täglichen Gebrauchs.
Peter Thompson erzählt die Geschichte unserer Zivilisation als eine Geschichte der Beziehung zwischen Mensch und Pflanzensamen und zeigt uns deren Geheimnisse. Er berichtet beispielsweise wie die Verbreitung von Weizen zur Entstehung von Städten führte und erläutert, welche ›Tricks‹ Samen auf Lager haben, um ihr Überleben zu gewährleisten.
Das Buch schließt mit der aktuellen Diskussion um den Verlust alter Nutzpflanzen, um Gentechnik, Samenbanken und darüber, wem die pflanzlichen Ressourcen der Erde gehören.



Zum Autor:
Peter Thompson war lange Jahre der Leiter der Abteilung für Pflanzenphysiologie im Royal Botanical Garden in Kew und ein Pionier für die Erhaltung bedrohter Pflanzenarten. Er war Mitinitiator der Millennium Seed Bank.

Die Anfänge der Landwirtschaft

Felsnadeln ragten aus ausgedörrten, steil abfallenden Wiesen voller Wildblumen. Blutroter Mohn und scharlachroter Hahnenfuß, die prächtigen Blüten der Schwertlilien, vielfarbige Wogen aus Anemonen, orangene Studentenblumen, chromgelbe Chrysanthemen, lilafarbener Lavendel und die seidenrosa Kelche von Winden verleiteten uns dazu, innezuhalten und durch diese Wiesen zu streifen. Hinter uns lagen die ertragreichen, kultivierten Felder von Galiläa. Nun waren wir in einem wilderen Landstrich – eine Landschaft, in der Zäune aus um Pfähle gewundenem Stacheldraht verhindern sollten, der Lust zum Erkunden nachzugeben. Unheimliche kleine Schilder mit dem Wort „Minen“ unter einem Totenschädel mit gekreuzten Knochen vermittelten eine klare Botschaft. Drei Jahre zuvor, 1967, hatte die israelische Armee die Golanhöhen erstürmt, die Syrier vertrieben und sie den halben Weg die Straße nach Damaskus hinunter verfolgt. Nun hatte die Natur die verlassenen Felder um menschenleere Dörfer und Städte zurückerobert. Das Schlachtfeld war zu einem Rastplatz Tausender Vögel geworden, die nach Norden Richtung Türkei und Europa zogen, wo sie den Sommer verbrachten. Störche dösten inmitten der Landminen, balancierten auf einem Bein in den mit Stacheldraht umzäunten Gebieten. Ihre langen Schnäbel nestelten im Brustgefieder, nicht ahnend, dass unter ihren Füßen eine tödliche Saat schlummerte.

 

Wir blickten vom Gipfel der Golanhöhen zurück über den See Genezareth in das Land, das wir gerade hinter uns gelassen hatten (1). Über uns ragte der Hermon in den Himmel, seine oberen Hänge von Schnee bedeckt und seine Gipfel versteckt in den Wolken. Nachdem wir das Auto verlassen hatten, gingen wir über verlassene Felder. Gräser mit schmalen kümmerlichen Blättern und seltsamen, stacheligen Blütenköpfen strichen gegen unsere Knie. Es handelte sich um Walch-Gräser, und obwohl die farbenfrohen Reize anderer Wildblumen vielleicht verlockender erscheinen mochten, waren eben sie es, die wir gesucht hatten. Trotz ihres unscheinbaren Äußeren hatten wir die Walch-Gräser ausgesucht, weil sie für die Entstehung des Brotweizens wichtig gewesen waren, und weil sich die Gene, die sie enthielten, bei der Weizenzüchtung als nützlich herausstellen konnten.
Die bescheidenen Walch-Gräser haben in der Geschichte der Menschheit eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Zehntausende Jahre lang waren die halbnomadischen Stämme am Fuße der Berge, die sich quer durch den Nahen Osten bis in den Iran und darüber hinaus erstreckten, Teil von Gesellschaften, die Walch-Gräser sehr schätzten. Sie waren, genau, wie wir es an diesem Tag getan hatten, durch wilde Wiesen aus Walch-Gräsern gewandert, durchsetzt mit wilden Weizen- und Gerstensorten. Mit Sicheln aus Knochen in die Feuersteine eingesetzt waren, werden sie sie büschelweise abgeerntet und sie einige Tage zum Trocknen ausgelegt haben, bevor sie die Samen mit primitiven Dreschflegeln aus Holz von der Spreu trennten.

 

Die Aktivitäten von Angehörigen nomadischer Stämme, die vor etwa neunzehntausend Jahren durch diese Wiesen gezogen waren, haben leise Spuren hinterlassen – die frühesten, bekannten Überbleibsel der Ursprünge westlicher Landwirtschaft. Sie waren während der letzten tausend Jahre einer Periode hier, von der man annimmt, dass damals Männer die Tiere in der Umgebung jagten und Frauen die Samen, Wurzeln und Früchte wilder Pflanzen sammelten, so wie es bereits ihre Vorfahren getan hatten. Solche Stämme werden beobachtet haben, dass Gräser und andere nützliche Pflanzen sich auf Erdflecken ausbreiteten, die entstanden waren, nachdem Feuer die Bäume und Sträucher vernichtet haben, und sie könnten selbst Feuer gelegt haben, um diesen Prozess in Gang zu setzen. Abgesehen davon verließen sie sich darauf, was ihnen die Natur bereitstellte. Bevor weitere zehntausend Jahre verstrichen sein sollten, würden ihre entfernten Nachkommen angefangen haben, Pflanzen zu kultivieren, anstatt sie einfach nur wahllos zu sammeln. Dabei hatten sie bereits begonnen, sich nichts ahnend in einem Netz zu verfangen – ein Netz, das ihre Nachkommen unaufhaltsam verändern würde, langsam und subtil, Jahrtausend um Jahrtausend. Aus Menschen, die frei waren, dorthin zu ziehen, wohin sie die Wildpflanzen führten, würden Gemeinschaften werden, die Ackerbau betrieben, die an den Boden gebunden und den Bedürfnissen von Pflanzen Untertan waren, in dem Irrglauben, sie beherrschten die Pflanzen.
Die Körner von Walch-Gräsern haben etwa die Größe kleiner Gerstenkörner. Sie sind nahrhaft und gut zu essen, doch jede Pflanze produziert nur einige wenige und ausreichend viele zu gewinnen, um eine richtige Mahlzeit zuzubereiten, ist eine zeitraubende und fummelige Aufgabe. Die dünnen Ähren von wilden Weizen- und Gerstensorten mit ihren zahlreichen kleinen, runden Körnern, sind zwar lohnender, weil die Ähren jedoch während des Reifeprozesses zerfallen, verliert man einen Großteil der Ernte bei der Lese. Die essbaren Körner müssen von den harten Spelzen durch heftiges Dreschen und Rollen getrennt werden. Danach werden die hartnäckiger haftenden Teile in der Glut weggebrannt – eine Entspelzung also durch Rösten. Einige Körner werden dabei kaum angesengt, andere sind braun geröstet, und wenn man nicht aufpasst, werden manche ganz zu Kohle. Verkohlte Körner sind gegen Verfall und Zersetzung beinahe unempfindlich.

 

Solche verkohlten Überreste wurden in sorgfältiger Kleinarbeit aus den Rückständen alter Lagerfeuer gesiebt. Sie geben uns Auskunft darüber, was unsere Vorfahren im Nahen Osten als Nahrung sammelten und später anbauten, zehn Tausende von Jahren, nachdem sie es geerntet hatten. Diese Überreste verraten uns, dass, als vor ungefähr zehntausend Jahren die Gletscher Nordeuropa nicht mehr so fest im Griff hatten, die Menschen, die über die felsigen Hänge oberhalb des See Genezareth streiften, in kleinen Familienverbänden zusammenlebten, Tiere jagten und alles an Pflanzen sammelten, was sie finden konnten. Im Lauf der nächsten paar tausend Jahre begannen die Bewohner riesiger Landstriche, von Südosteuropa und dem westlichen Mittelmeerraum bis nach Anatolien und in den Irak, allmählich und kaum wahrnehmbar, die ausgetretenen Pfade ihrer Vorfahren zu verlassen und neue Wege einzuschlagen.

»Das Wissenschaftsbuch des Jahres, auf jeder Seite ein kluge Erkenntnis (...) eine absolut fesselnde und überzeugende Geschichte.«
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